C. Lindners Podcast: BILDUNG und DIGITALISIERUNG entscheiden über die Zukunft des Landes?

In seinem ersten eigenen Podcast spricht Christian Lindner mit Frank Thelen über die Themen Bildung, Digitalisierung und das Jamaika-Ende. Laut Lindner und Thelen sind Digitalisierung und Bildung die Voraussetzungen für den Wohlstand von Morgen. Bloßes Marketing, oder ist an den Aussagen etwas Wahres dran? 

Christian Lindner hat schon vor der Bundestagswahl die Themen Bildung, Infrastruktur und Digitalisierung für sich zu nutzen gewusst und hat seit dem großen Erfolg damit. Er schafft es, dass man die FDP unter seiner Führung als moderne und digitale Partei versteht und nimmt damit ein Monopol in der deutschen Parteienlandschaft ein. 

Frank Thelen ist das Pendant aus der Wirtschaft zu Lindner. Er ist nicht nur Experte im Bereich der Digitalisierung, sondern er lebt sie auch. Thelen ist u.a. in ein deutsches Unternehmen investiert, das in wenigen Jahren ein Flugtaxi zur Serienreife führt und damit zur Revolution des Transportwesens beiträgt. 

Thema 1: Bildung

Zu Beginn erzählt Frank Thelen von seiner Schulzeit: Anders als man erwarten würde, war diese für Thelen nicht sehr wichtig damals. Vor allem der Frontalunterricht habe ihn so ermüdet, dass es ihm schwer viel dem Unterricht zu folgen. Lindner führt aus, dass das Thema für die FDP sehr wichtig sei. Unterricht müsst digitaler und praxisnäher werden.

Laut Lindner müsse man einerseits in den Bundesländern ansetzen, da Bildung immer noch ein Ressort der Länder sei. 

"Ich fang Bildungspolitik wirklich in der KiTA an" sagt Christian Lindner. Er meine damit nicht Fremdsprachen oder Lesen und Schreiben, sondern Kommunikation, Geschichten erzählen und Vorträge halten. 


Wer ist der Gast?

Frank Thelen ist durch die TV-Show "Die Höhle der Löwen" einer breiten Masse bekannt geworden. Er ist Investor und Experte im Bereich Digitalisierung und Innovation. Er ist selber Unternehmensgründer und investiert in Start-ups. 



Andererseits müsse der Bund aktiv werden. Dazu ist die Abschaffung des Kooperationsverbot notwendig. Dies hat das Kabinett inzwischen beschlossen, sodass der Bund jetzt das Recht hat auch in Bildung direkt zu investieren und nicht nur in Infrastruktur. Lindner fordert mehr Wirtschafts- und Informatikunterricht. Thelen ist dafür bekannt, dass er die Meinung vertritt, dass Programmiersprachen genau so zum Lehrplan gehören müssen wie Englisch. Er meint, dass es den heutigen Generation sonst so ergeht wie der vorletzten Generation, die in der Schule keinen Englischunterricht hatte und entsprechend heute nicht mehr mithalten kann. Das Lernen der Programmiersprachen sei Voraussetzung für das partizipieren am digitalen Leben von morgen. 

Ich teile die Ansicht, dass im Rahmen der Globalisierung und Digitalisierung digitale Kenntnisse in der Zukunft genau so essentiell sein werden wie das Lesen, Schreiben und Rechnen heute. Wenn Deutschland von der Digitalisierung profitieren möchte, so wie wir es getan haben im Rahmen der Industrialisierung, dann muss die Konsequenz auch sein, dass wir in der Bildung anfangen und dort das nötige Know-How vermitteln. Das Problem, welches im Podcast nicht angesprochen wurde, ist, dass nicht nur der Lehrplan entscheidend ist. Die Lehrer, die diesen umsetzen, müssen das verstehen, was dort drin steht und daher reicht es nicht nur bei den Kindern von heute anzusetzen. Notwendig ist es, dass wir im gleichen Maße die Lehrer von heute mitnehmen, damit diese die Voraussetzungen erfüllen, um unseren Kindern mitzugeben was diese für ihre Zukunft benötigen. 

Thema 2: Digitalisierung

Der lockere Einstieg ins Thema gelingt Lindner mit dem Flugtaxi. Einst hatte die Staatsministerin für Digitales Dorothee Bär das Thema aufgegriffen und dafür viel Spott geerntet - auch von Lindner. Dieser entschuldigt sich dafür und erklärt, dass es ihm um die Kommunikation des Themas ging und nicht um die Sache selbst. Er selbst sehe in dem Thema eine Zukunft. 

Der Vorteil an Thelens Flugtaxi ist, dass die Preise sehr niedrig sind und die Umweltbelastung aufgrund elektrischen Antriebs gering. Er sagte mal in einem Interview, dass sich der Flug ab 50km so lohne, dass andere Verkehrsmittel nach heutigem Stand preislich nicht mithalten könnten. 

Lindner meint, dass Bär alleine da stehe ohne Unterstützung von den anderen Ministern und ohne Budget. Ich finde die Idee eines Digitalministers sinnvoll, weil 

  1. durch ein souveränes Ministerium für Digitalisierung auch Mittel bereit stehen würden, um die Digitalisierung allgemein zu fördern und Versäumnisse wieder aufzuholen (dazu weiter unten mehr)
  2. das Thema Digitalisierung in Zukunft so wichtig wird wie das Arbeitsministerium oder das Gesundheitsministerium. Es wird kein Weg mehr an dem Thema vorbeiführen.
  3. es wäre auch ein Signal an Unternehmen aus anderen Ländern, dass Deutschland jetzt ins digitale Geschäft einsteigt. Dadurch würden vielleicht auch größere digitale Unternehmen Standorte in Deutschland aufbauen und Steuern zahlen
  4. Themen wie digitale Sicherheit und Datenschutz dort genauer und souveräner behandelt werden könnten. Genauso Untersuchungen zum Einfluss der Digitalisierung auf zukünftige Arbeitsmarktpolitik und die Herausforderungen, die damit einhergehen.

Überschneidungen im Aufgabengebiet der Ministerien muss man akzeptieren. Das Digitalministerium könnte dort auch eine vermittelnde Rolle einnehmen. 

Spannend wird es nun, weil es darum geht was die Politik dafür tun kann, dass Deutschland die Chance bekommt am digitalen Wandel teilzuhaben, um nicht von diesem überrollt zu werden. Folgend Vorschläge, die im Podcast zur Sprache kamen, aber auch eigene von mir:


THEMA

Künstliche Intelligenz

Ausgangssituation:

Damit eine KI intelligent wird, braucht sie Daten, um aus diesen zu lernen. Abhängig vom Anwendungsbeispiel können das Fotos, anonymisierte Userdaten etc. sein.

Problem: 

Um diese Daten zu speichern benötigt es nach der DSGVO ausführliche Aufklärungen zur Nutzung von Daten bzw. nach der DSGVO wird die Nutzung dieser Daten für KI extrem eingeschränkt, sodass eine Entwicklung von KI in der EU kompliziert und nicht konkurrenzfähig ist.

Lösung:

Überarbeitung oder Aussetzung der DSGVO und Einführung einer Widerspruchslösung. Klingt heute radikal, ist aber nötig, wenn Staaten der EU bei dem Thema zu Global-Playern werden wollen. 

THEMA

Digitale Infrastruktur

Ausgangssituation: 

Für die digitalen Dienstleistungen der Zukunft sind schnelle und zuverlässige Verbindungen nötig. Im Bereich Breitband benötigt es Glasfaserkabel und im Bereich Mobilfunk 5G. Ein flächendeckender Ausbau ist nötig.

Problem:

Beim Breitband hat man in DE auf Kupfer und nicht auf Glasfaser gesetzt. Letztere geht meist nur bis zum Verteilerkasten und danach liegen Kupferkabel. Die Kupferkabel sind bereits heute an den Kapazitätsgrenzen. Bei Breitband und Mobilfunk gibt es immer noch viele Orte ohne Abdeckung.

Lösung:

Bessere Vergabeverfahren, die nicht auf einen maximalen Gewinn abzielen, sondern auf flächendeckenden Ausbau. Glasfaser subventionieren und nicht den Ausbau von Kupferleitungen. 
Allgemeines Bewusstsein entwickeln für digitale Probleme.

THEMA

Innovation

Ausgangssituation:

Durch die Globalisierung nimmt der internationale Wettbewerb zu. Um ein Global Player zu bleiben, muss Innovation vorangetrieben werden, um sich gegen die Konkurrenz zu behaupten. 

Problem: 

Fehlende Investitionen in Innovation und Entwicklung. Entsprechend ist der Zweig in Deutschland eingeschlafen. Deutschland ist nicht für digitale Produkte und Dienstleistungen bekannt, während andere Länder wie die USA oder Südkorea dort kräftig investieren.

Lösung:

Anerkennung von diversifizierten Fonds als sichere Anlage, sodass Kapital in Aktien in Deutschland fließt, wodurch die Unternehmen sich Entwicklung leisten können. 

Schaffung einer Infrastruktur, die dazu passt (siehe digitale Infrastruktur). Digitalisierung in der Schule, sodass bereits möglichst früh Berührungspunkte geschaffen werden für die Ingenieure von morgen. 



Es mangelt in Deutschland an einem Bewusstsein für das Thema Digitalisierung in der Politik. Bereits vor 10 Jahren hätte man anfangen müssen Glasfaser zu subventionieren, damit heute die Infrastruktur da wäre, die es benötigt um KI, Blockchain, autonomes Fahren etc. hier zu entwickeln. Das Problem hat der Großteil der Politik noch nicht erkannt, oder ignoriert es geschickt. 

Deutschland ruht sich auf den Erfolgen von gestern aus. Unser Wohlstand heute beruht auf den Erfolgen der Stahl- und Autoindustrie nach dem zweiten Weltkrieg. Der Wohlstand von morgen wird aber nicht mehr auf Stahl oder Verbrennern fußen, sondern auf digitaler Innovation, attraktiven Standort-Faktoren und einem Bewusstsein für digitale Fragestellungen. 

Wenn wir unseren Rückstand noch aufholen wollen, müssten wir ab heute sehr viel Geld in die Hand nehmen, oder uns ansonsten damit abfinden, dass die reichen Tage der Deutschen ab morgen in der Vergangenheit liegen. Deutschland ist heute schlecht für die Zukunft aufgestellt. Warum? 

  • Hohe Verschuldung. Durch die niedrigen Leitzinsen konnten wir relativ einfach eine schwarze Null erreichen und sogar relativ Schulden abbauen. Das ist anzuerkennen. Dennoch darf man nicht die Target-2-Salden vergessen in Höhe von rund 800 Milliarden Euro, die man eigentlich auf die Staatsschulden addieren muss.
  • Schlechte Infrastruktur. Eine schlechte Infrastruktur bedeutet, dass im wahrsten Sinne des Wortes Geld auf der Straße liegen gelassen wird. Es geht nicht nur um den Breitbandausbau. Viele Brücken sind noch aus den 50ern und 60ern und müssten eigentlich schon längst ersetzt werden. 
  • Im internationalen Vergleich schlechte Bildung. Bei Pisa haben wir uns in den letzten Jahren stetig verbessern, schneiden aber immer noch schlecht ab, wenn man die Ergebnisse in den Prüfungen mit der wirtschaftlichen Leistung des Landes vergleicht. Kinder sind unsere Zukunft und entsprechend ein wichtiger Faktor, wenn es um den Wohlstand der Zukunft geht
  • Wenig Sachwert-Vermögen. Die Deutschen sind seit jeher beim Geld skeptisch. Wir investieren in Sparkonten, Lebensversicherungen und maximal Rentenfonds. Wir besitzen wenig reele Vermögenswerte wie Immobilien, Rohstoffe oder Unternehmensanteile. Wenn die Menschen nicht in Rohstoffe investieren, sind die schlecht für Krisen aufgestellt (besonders bei der Staatsanleihen-Problematik derzeit). Wenn nicht in Aktien investiert wird, fehlt den Unternehmen Geld für Innovation und Entwicklung. Durch die niedrigen Zinsen auf Sparkonten und alle (vermeintlich) sicheren Anlagen verbrennen die Deutschland quasi Geld. Die Inflation liegt über dem Zins auf Sparguthaben, wodurch wir jedes Jahr Kaufkraft verlieren. 
  • Demographischer Wandel. Bekanntermaßen ist die Altersstruktur in Deutschland wenig vielversprechend. Viele alte Menschen und wenig Junge werfen einen düsteren Schatten in die Zukunft. 
  • Hohe Abgabenbelastung. Im OECD-Durchschnitt hat Deutschland mit die höchsten Abgaben. In Deutschland bleibt besonders wenig Netto vom Brutto, was für qualifizierte Einwander das Land unattraktiv macht. Ein weiter Punkt ist da die Sprache: Deutsch ist deutlich schwieriger zu lernen als Englisch. Wenn man die Wahl als Migrant mit gutem Abschluss hat, würde man daher wohl in ein Land gehen mit weniger Abgaben und einfacherer Sprache. Fachkräftezuwanderung ist aber extrem wichtig, wenn wir unseren Wohlstand beibehalten wollen, woraus sich die Problematik einer unsicheren Zukunft vergrößert, wenn wir nicht heute gegensteuern. 

Thema 3: Jamaika und co.

Lindner betont, dass es mit Jamaika genau so gelaufen wäre wie bei der "Groko" im Sommer. Die FDP hätte nicht ihre Themen durchsetzen können und so sei es richtig gewesen nicht zu regieren. Linder sagt, dass die Menschen genau so gemeckert hätten, wenn die FDP in die Regierung gegangen wären.

 

Thelen unterstreicht noch einmal seine Meinung, die man auch aus anderen Interviews kennt: Er ist Fan von CDU/CSU und FDP und glaubt, dass nur die drei Parteien zusammen den Wandel noch schaffen können. 

Mein Fazit

Zum Podcast:

Der Podcast hat mich positiv überrascht. Lindner und Thelen harmonieren gut und verkaufen wichtige Themen mit einer Prise Humor, sodass das zuhören auch für jene nicht schwer sein wird, die sich normalerweise nicht so viel mit Politik auseinandersetzen. Ich bin gespannt auf weitere Ausgaben des Formats - und das als CDU-Mitglied! 

Zu den Sachthemen:

Wir müssen in Deutschland zukünftig viel ändern, wenn wir die Kurve bekommen wollen. Ich habe die Hoffnung, dass wir mit einer neuen Parteiführung so in der Gunst des Wählers zulegen, dass eine Koalition aus CDU/CSU und FDP wieder möglich wird, um das Land wieder auf den richtigen Kurs zu bringen. Lindner zeigt, dass er sich von der Jamaika-Tragödie emanzipiert hat und bereit ist Verantwortung zu übernehmen und das Land zu gestalten.  Nun muss die Union zeigen, dass wir es auch sind. 

 

Ich bin bereit mich dafür einzusetzen.

Bist Du es auch? Schreibt mir doch mal Eure Meinung in die Kommentare!

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