Jung, konservativ und modern. Passt das zusammen?

Viele meiner gleichaltrigen Mitmenschen sind sozialistisch angehaucht. Wenn sie über Politik reden, finden sie konservatives Denken oft pauschal rückständig und überholt. Stimmt das? Ein kurzer Essay über einen modernen Konservatismus. 

Die Familie meiner Mutter stammt aus dem Ruhrgebiet mit Tradition im Kohleabbau. Es war immer selbstverständlich, dass die SPD gewählt wurde. Diese Tradition blieb bis zu meiner Generation erhalten.
Mein Vater hingegen ist Mitglied bei Bündnis 90/Die Grünen.
Ich bin also sehr stark politisch geprägt aufgewachsen. Anfang 2016 entschied ich mich im Rahmen der damals stattfindenden politischen Entwicklungen selber Mitglied einer Partei zu werden. Ich wurde Mitglied der CDU – natürlich mit allgemeinem Unverständnis innerhalb der Familie.
Niemand hat verstanden warum ein 18-Jähriger junger Mann Mitglied in einer konservativen und christdemokratischen Partei werden will – selbstredend meine sozialistisch-angehauchten Freunde erst recht nicht. Ich erklärte ihnen schließlich warum:

 

Ich empfand den Geschichtsunterricht immer als eines der wichtigsten Fächer in der Schule, weil er einem die Kompetenz verleiht Fehler der Geschichte nicht nochmal zu begehen. Im Rahmen dessen entschied ich mich, dass es wichtig ist – besonders als junger Mensch – nicht wegzusehen, dass es nicht ausreicht bloß den Kopf zu schütteln, wenn Hass und Ausgrenzung anderer wieder salonfähig werden. Es ist wichtig Stärke zu zeigen und sein Recht auf Teilhabe an der Politik wahrzunehmen. Ich trat der Christlich Demokratischen Union bei, weil ich für unsere Werte, unsere Gesellschaft und unser Grundgesetz kämpfen wollte, in Anbetracht einer zunehmenden Verrohung der Gesellschaft, steigendem Werteverlusts und stärker werdender Politikverdrossenheit. Christliche und konservative Werte, die aus dem Grundgesetz erwachsen, schmieden meiner Meinung nach das Band, welches unsere Gesellschaft zusammenhält. Ich wollte Mitglied einer Partei sein, die Bewährtes zu bewahren versucht und den Fortschritt um des reinen Fortschritts willen entschieden ablehnt.
Die meisten nicht-konservativen Menschen würden mir hier jetzt eine reaktionäre Ansicht auf die Politik unterstellen. Aber dies trifft auf keinen Fall zu: Es ging mir immer darum Veränderungen nicht auf Biegen und Brechen herbeizuführen, wenn diese nicht nötig sind und dies stellt eine Abgrenzung zu jeder anderen Partei dar. Die Unionsparteien entsagen sich einem ideologieverblendetem Moralismus, aus dem der Drang nach Veränderung um jeden Preis resultiert.
Und wir brauchen konservative Antworten in der Politik, wenn es um Fragen der inneren Sicherheit geht. Wir brauchen eine Stärkung der Polizei bei der Personalkapazität und bei der Ausrüstung. Darüber hinaus ist es wichtig die Justiz durch mehr Kapazitäten zu stärken und mehr Schwerpunktstaatsanwaltschaften zu errichten, um z.B. Kriminalität im sogenannten Darknet zu verfolgen. Strafen müssen auf den Fuß folgen und das Legalitätsprinzip muss endlich wieder greifen.
Genauso ist es wichtig sich in der Verteidigungspolitik auf die Seite der Bundeswehr zu stellen. Wir müssen zeigen, dass die Soldatinnen und Soldaten zu unserer Mitte gehören und unseren Respekt verdienen. Zeigen sollte man ihnen dies nicht mit hohlen Phrasen, sondern mit Taten, indem man z.B. den Wehretat endlich auf ein Level von zwei Prozent des Bruttoinlandsproduktes erhöht, um mehr Mittel für Investitionen in bessere Ausrüstung und neue Waffenplattformen zur Verfügung stehen zu haben, denn Konzepte für eine sich flexibel ändernde Bedrohungslage sind teuer. Des Weiteren sollte man über eine erneute Aktivierung der Wehrpflicht nachdenken, da die Bundeswehr personell ausgereizt ist. Nur über eine aktive Wehrpflicht schafft man es, dass die Bundeswehr einen Querschnitt der Gesellschaft darstellt. Zudem wird es immer wichtiger auf europäischer Ebene bei der Sicherheitspolitik mehr zusammenzuarbeiten. Nur so werden wir den Rückzug der USA bei der internationalen Sicherheitspolitik auffangen können. Europa muss bei der Sicherheitspolitik seine Souveränität zurück gewinnen.
Durch eine gute Bildungspolitik ohne Experimente auf Kosten unserer Kinder schaffen wir es eine Chancengleichheit zu gewähren und damit soziale Ungerechtigkeit zu bekämpfen, indem wir wieder Struktur in die Schulen bringen. Die Situation der Schulen in NRW hat gezeigt, wie wichtig es ist gerade beim Thema Inklusion auch an alten Konzepten festzuhalten. Jede Familie soll selber entscheiden können, ob ihr behindertes Kind in einer Regelschule oder einer speziellen Förderschule gelehrt werden soll. 
Aber auch beim Thema Infrastruktur ist es wichtig, dass wir investieren und vor allem klug verwalten. Intakte und effiziente Straßen sowie ein ausgebautes Bahnnetz ermöglichen den Unternehmen weiterhin so stark zu exportieren wie bisher, ohne dass der Gewinn im wahrsten Sinne des Wortes auf der Straße liegen bleibt.
Gleichzeitig erkenne ich aber an, dass es Themen gibt, auf die man nicht konservativ antworten kann. Zum Beispiel immer dann, wenn es um Digitalisierung, Globalisierung aber auch Massentierhaltung geht, da letztere das Entstehen von antibiotikaresistenten Pathogenen fördert, welche unsere Gesundheit immer mehr bedrohen, was zu erkennen ist, wenn man bereits heute einen Blick in unsere Krankenhäuser wirft. Hier sind moderne Antworten nötig und ein gesunder Konservatismus erkennt dies an. Es ist diese Tatsache, die zeigt, dass eine politische Meinung konservativ und modern zu gleicher Zeit sein kann.

Wir brauchen einen modernen Konservatismus, denn er allein ist in der Lage in stürmischen Zeiten Kontinuität und Sicherheit zu gewähren. Dazu zählt auch, dass wir einen gesunden Patriotismus als wichtige Säule unserer Gesellschaft brauchen, der eine Liebe zu Deutschland, zu unserem Grundgesetz und zu unserer Nationalhymne zulässt. Und wir brauchen eine deutsche Leitkultur, die all jenen die Richtung weist, die sich neu in unsere Gesellschaft integrieren müssen. Nur so wird es auf lange Sicht möglich sein, Schutz für aufgenommene Asylsuchende zu bieten, ohne dass wir unsere eigene Identität verlieren. Dies geht nur mit den Unionsparteien, da alle anderen etablierten Parteien diesen Patriotismus und dieses Bekenntnis zur deutschen Kultur als etwas Abstoßendes betrachten.
Also: jung, konservativ und modern. Passt das zusammen? Auf jeden Fall.

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Kommentare: 2
  • #1

    Yannick (Mittwoch, 16 August 2017 13:33)

    Lieber Joshua,

    deine Argumentation ist in vielem das, was ich befürchtet habe: Eine pseudo-argumentativ gestaltete Untermauerung des Wahlprogramms der CDU.
    Gestatte mir bitte einige Anmerkungen.
    Zuallererst einmal, aus rein soziologischer Sicht, gibt es so etwas wie eine 'deutsche Leitkultur' nicht (ganz abgesehen davon, dass dieser Begriff für mich, spätestens nach Gauland, ein Stigma hat). Erkläre mir doch beispielsweise die kulturellen Gemeinsamkeiten zwischen Schleswig-Holstein und Baden-Württemberg. Oder zwischen einem kleinen Ort im Rheinland und Berlin-Treptow. Kultur ist in meinen Augen immer etwas sehr regional-fließendes, was sich nicht in willkürliche Grenzen ziehen lässt. Das Elsass, mit gemeinsamen Bräuchen die Landesgrenzen überschreiten, ist ein schönes Beispiel dafür.
    Nun führt genau dieser Versuch der Grenzziehung eben oft zum 'Othering', einer 'Wir-und-die-Anderen-Positionierung', eine Position die sich leider auch der modern-getrimmte Konservatismus zu eigen macht.
    Im Zuge der immer weiter zusammen wachsenden Welt, der immer schneller verbraucht-werdenden Rohstoffe und dem Klarwerden eines Endlichkeitsprinzips der Wirtschaft sind notwendige Forderungen eben nicht solche nach mehr Polizeipräsenz oder Aufstockung des Militärbudgets. Vielmehr muss eine Politik der Gemeinsamkeiten gelebt werden, nicht nur inner-europäisch, sondern global. Menschen müssen Menschen als gleichwertig anerkennen (pointiert formuliert gilt dies natürlich auch für Soldaten und die Mitte der Gesellschst) und sich nicht hinter konstruierten Vertragstheorien verstecken und diese als Argument nutzen. Bestes Beispiel hierfür wäre meines Erachtens nach unser Asylgesetz (warum besitzen wir eigentlich kein Einwanderungsgesetz? Angst vor Veränderung und Diversität ist es angeblich ja nicht) welches Menschen die auf dem gleichen Planeten leben wie wir den Zugang zu unserer Welt zu oft verbaut.
    Güter sind wahrlich genug da, das ist hinlänglich bewiesen, es ist nur die Verteilung an der es hapert. Sowohl innen- als auch globalpolitisch. Dieses Thema bleibt mir in deinem Essay leider ebenso unbeantwortet.
    Weiterhin die Frage nach Umweltschutz, dem Verbleiben in Atomkraft/Braunkohle, die 'ganzen links-grünen Themen' eben.
    Denkt man dieses Spiel zuende, so ist der konservative Ansatz, zumindest in meinen Augen, spätestens in der heutigen Zeit lange überholt.

  • #2

    Joshua Bald (Mittwoch, 16 August 2017 13:50)

    Lieber Yannick,
    vielen Dank für deinen Kommentar. Wie bist du auf meinen Block aufmerksam geworden?

    Du bezeichnest das als "pseudo-argumentativ gestaltete Untermauerung des Wahlprogramms der CDU". Für mich sind das die Themen, die ich wirklich wichtig und vor allem für realistisch umsetzbar halte.
    Ich lehne Idealismus ab. Es wird niemals eine komplett friedliche Welt geben und sicher auch in den nächsten Jahrzehnten keine Ausrottung des Hungers oder der Armut. Ich würde all dies unterstützen, finde aber eine Fokussierung auf die wirklich umsetzbaren und realistischen Themen wichtig.
    Ich gebe Dir sogar recht, dass wir auf lange Sicht ein Einwanderungsgesetz brauchen werden. Für die nächsten vier Jahre sehe ich diese Notwendigkeit aber nicht.
    Darüberhinaus bin ich der festen Überzeugung, dass es die deutsche Leitkultur gibt. Natürlich ist Kultur regional sehr unterschiedlich. Aber es gibt dennoch kulturelle Aspekte, die alle Regionen einen:
    Die deutsche Sprache als Kulturgut, christlich-jüdische Werte, deutsche Umgangsformen (man gibt sich die Hand), das kulturelle Erbe unserer Vorfahren (Goethes Werke z.B.), aber auch eher unscheinbarer Dinge wie Brot und Bier. Das alles gehört zur deutschen Kultur dazu.

    Summa summarum geht es in meinem Essay nicht um eine idealistische Sicht auf die Welt und wie diese für mich aussähe, sondern um konkrete Punkte, die wir in vier Jahren in der Politik umsetzen können, wodurch es Deutschland noch besser ergehen wird.

    Liebe Grüße