Trump: einfach mal machen lassen

Die Aufregung über Trump ist groß. Viel Kritik schallt über den Globus, aber auch in Deutschland kommentiert und kritisiert die Presse täglich den US-Präsidenten Trump. Vielleicht sollte man ihn einfach erstmal machen lassen.

Hunderte Kommentare über jeden Satz und jede Geste Trumps werden jeden Tag in Deutschland in der Presse veröffentlicht. Es wird reflektiert, kritisiert und manchmal auch relativiert. 

 

Ich bin bei weitem kein Fan Donald Trumps, da seine sexistischen und rassistischen Äußerungen im Wahlkampf bei weitem nur der Gipfel des Eisbergs waren. Seine Rede bei der Amtseinführung war beunruhigend, triefte sie doch nur so von Protektionismus, Patriotismus und Konservativismus in einer erschreckenden Kombination. Trotzdem bin der Meinung, dass wir erst einmal abwarten sollten, bevor wir uns stringent immer weiter beunruhigen. Für eine Beurteilung seiner Politik ist es schlicht zu früh. 

 

Denn Trump gehört zu jenen Menschen, die die Aufmerksamkeit suchen. Auch wenn er jetzt Präsident ist, bleibt er immer noch ein Entertainer, der die große Show sucht. Man sollte daher seine Worte nicht auf die Goldwaage legen, da es mehr als wahrscheinlich ist, dass die Umsetzung seiner politischen Ansichten ganz anders ausfallen wird als man jetzt spekuliert. Ich setze darauf, dass seine Politik besser wird als man ihm jetzt zutraut. Ja ich setze sogar darauf, dass er das Potential hat uns alle positiv zu überraschen. 

 

Denn als Barack Obama die erste Amtszeit antrat, waren die Erwartungen so hoch, dass man jetzt - acht Jahre später - sagen kann, dass es völlig logisch war, dass diese Erwartungen enttäuscht werden. Bei Trump ist dies ganz anders: die Erwartungen an den Präsidenten sind so niedrig, dass er diese übertreffen könnte, wenn er es nur schafft, dass das Land nach vier Jahren nicht in Flammen steht. Mit jeder Verbesserung, die durch seine Politik entsteht, wird er die Erwartungen übertreffen. 

 

Deswegen sollten wir alle es handhaben wie es die Bundeskanzlerin dieser Tage tut: erst einmal entspannt abwarten und schauen was da noch so kommt, denn keinem ist geholfen, wenn wir jetzt alles überinterpretieren und uns verrückt machen. 

Kommentar schreiben

Kommentare: 3
  • #1

    der Neandertaler (Sonntag, 29 Januar 2017 13:06)

    Hallo Joshua.
    "An ihren Taten sollt ihr sie erkennen." (1. Johannes 2,1-6)
    Ich bin wie Du der Meinung, daß nichts so heiß gegessen wird, wie es gekocht wird - sprich: daß wir etwas gelassener auf Trumps Worte reagieren sollten. Obama wollte zum Beispiel Guantanamo schließen - es lebt heute noch. Trump hat im Wahlkampf unablässig ObamaCare bekämpft - er wollte dies abschaffen ... "ausradieren" und durch ein neues System ersetzen. Nun hat er nach seiner Amtseinführung ObamaCare lediglich aufgeweicht - im Grunde genommen erhalten und nur "flexibler" gestaltet.

    Allerdings kommt es wohl in erster Linie auf die Sichtweise an, wer seine Ankündigungen betrachtet und wie er diese beurteilt. Denn: wer viel in die USA exportiert, wird die vorangekündigten Straf-Zölle wohl anders beureilen, als jemand, der "nur" aus den USA importiert.

    Trump wird wohl das ein oder andere Mal gewaltig anecken und seine Vorhaben nicht so einfach umsetzen können, weil er merkt, daß er ein Land nicht so führen kann wie eine Firma ... wie seine Firma. Für viele seiner Vorhaben benötigt er sowohl den Kongress wie auch den Senat. Angesicht dessen, daß es in den USA zwar Parteien gibt, aber nicht so etwas wie Parteienzwang, wird er sich wohl mit jedem der selbstbewußten Kongressabgeordneten und Senatoren herumschlagen müssen. Besonders weil viele Republikaner mit Trump als Präsidentschaftskandidat nicht vollkommen zufrieden waren.

    Viele seiner Vorhaben betreffen ja nicht nur ausschließlich die USA, sondern tangieren ebenso internationale Verträge - internationale Handelsregeln, WTO, etc..

    Auch bin ich gespannt, ob seine Regierung langfristig überleben wird ... in dieser Konstellation überleben wird? Denn wo er etwa die NATO als "obsolet" erklärt hat, betont US-Verteidigungsminister James Mattis die Bedeutung der NATO. Ich bin also mal gespannt, auf welchen Politik-Feldern dies noch geschieht?

  • #2

    Joshua Bald (Sonntag, 29 Januar 2017 13:15)

    Hallo Manfred,

    wiedermal vielen Dank für Deinen Kommentar :)

    Ich finde den Vergleich von Obama und Trump schwierig. Obama konnte viele Versprechen nicht umsetzen, weil im Kongress die Republikaner die Mehrheit hatten und damit viel verhindern konnten. Bei Trump sieht das anders aus. Selten hatten die Republikaner so viel Macht in der Legislative und Exekutive.

    Trump selber hat ja vor kurzem noch die NATO als obsolet bezeichnet und im Gespräch mit Merkel sagte er, dass diese ja doch sehr wichtig sei. Dies kann aber auch damit zusammenhängen, dass er jetzt die geheimeren Infos kennt und so anders denkt als noch als Zivilist.

    LG

  • #3

    der Neandertaler (Sonntag, 29 Januar 2017 15:06)

    Hallo Joshiúa.
    Obama ... repulikanische Mehrheit? JA! Trump ... repulikanische Mehrheit? JA auch! Dies heißt aber noch nicht viel. Es heißt lediglich, daß er seine Vorhaben etwas einfacher umsetzen kann - aber nicht, daß er alle seine Vorhaben ungehindert und unwidersprochen durchbringen kann. Er muß trotzdem immer noch jeden Abgeordneten persönlich überzeugen (fehlender Parteienzwang!) ... dies war unter vorherigen Präsidenten nicht anders.

    NATO ... obsolet oder reformbedüftig?
    Ich weiß nicht, ob dies mit "jetzt die geheimeren Infos" zu tun hat ... möchte ich bezweifeln. Daß die NATO eventuell reformbedürftig ist - mag sein. Daß er nun aber wiederum etwas zurückrudert, scheint "normal" zu sein, weil er einsehen muß, daß seine Vorstellungen nicht immer folgerichtig und adäquat sind.

    Bestes Beispiel:
    Einreiseverbot einzelner Flüchtlinge, die auch für Greencard-Inhaber und dergleichen gelten sollte. Eine Richterin hat sich dieser Anordnung widersetzt und Trump rudert zurück ... er relativiert.

    Warten wir's ab, was noch kommt!